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Neue Tiere. Alle Tage.


Posted on November 7, 2016


Neue Tiere. Alle Tage.   |  News
Neue Tiere. Alle Tage.

Vernissage & Konzert
galerie1214 c/o Ulla Friedrich | Martin-Luther-Str. 78 | 10825 Berlin

Samstag, 19. November 2016, 16 – 19 Uhr, die Künstler sind anwesend.
Ausstellung: jeweils Samstags 11-14:00 Uhr, bis einschl. 10. Dezember; u.n.V.

Neue Tiere . Alle Tage
Uta Reinhardt, Malerei . Bernhard Strauss, Fotografie
Musik: Ensemble Kaleidoskop (Cage, Xenakis, Cage)


Uta Reinhardt vertritt eine Generation in der Malerei, die sich mit Ismen intensiv auseinandergesetzt hat, um sich inmitten einer Welt überbordender Realien wiederzufinden. Ihre Antwort darauf ist aber kein neuer Realismus, kein Aktualismus. In ihrer Arbeit befragt sie Boten und Vorboten schwer zu entschlüsselnder Anzeichen, Botschaften der Empfindung überhaupt. Wenn ihre Malerei ein Credo hat, dann ist es ihr entschiedenes: "Ich setze mich aus". Sie nutzt ihr breites Repertoire für die Erkundung dieser Konfrontation und lässt Abstraktion als Schonhaltung nicht gelten.

Reinhardt geht mit den Mitteln der Malerei der Frage nach, wie wir uns in unseren verschiedenen Naturen verstricken, wie wir zwischen den Polen der Idylle und der Entfremdung uns selbst verstehen können. Lange bevor z. B. Vegetarismus oder Veganismus zu Trenddiskursen wurden, widmete sich Reinhardt in ihren Studien dem Auseinanderdriften der Lebenssphären zwischen Mensch und Tier. Der Titel «Neue Tiere» spielt mit dem Doppelsinn und lässt die Provokation von Entdeckung und Naturbeherrschung aufblitzen: Tiere sind im Werk präsent bis hin zum eindringlichen Portrait. Präsenz, die aus der intensiven malerischen Geste entsteht, Malerei, die bis ins Fleisch dringt.

Mit der Arbeit an der Farbe entwickelt Reinhardt das Spielfeld der Wahrnehmung: der Pinsel verwischt, lasierte Ebenen führen überraschende Konstellationen herbei, irisierende Kreidetupfer stellen sich quer zum Bildsinn. Reinhardt kommt aus dem Jenseits des Abbildhaften. Sie legt Erinnerung bloss, beleuchtet Kindheitsmuster fantastischer und albtraumhafter Szenerien und konfrontiert sie mit Leerräumen: auf die Opulenzen heutiger Malerfürsten antwortet sie mit der Latenz der Empfindung. Sie lässt Figurationen sich bilden, bis in suggestive Blick-Situationen sich entwickeln, verspinnt sie, zerstreut sie in neue Konturen.


Der Freiburger Fotograf Bernhard Strauss gehört zu jenen berufenen «Augenwerkern», ohne die unsere visuelle Medienwelt nicht funktionieren würde. Von der Architektur- und Kunstfotografie herkommend – zahlreiche Kataloge tragen seinen Copyrightvermerk-, hat die freie Fotografie für Strauss vor allem die Bedeutung eines Forschungsfelds.

Das Dokumentarische bildet bei Strauss keinen Gegensatz zum Poetischen, sondern beide liefern einander die Folien für die Belichtung ihrer unterschiedlichen Wege zu Sinn und Bedeutung: minimale Verschiebungen des Blickwinkels oder der Tiefenschärfe transformieren die gegenständliche Abbildung in ein lange zu ergründendes Bildfeld.

Composing ist für Strauss, im Sinne eines ganzen Traditionsstrangs, an den fotografischen Akt selbst gebunden. Das bedeutet, dass spätere Zuschneidungen oder Verschiebungen, wie sie die verbreitete Smartphone-Ästhetik geradzu provoziert, weitgehend tabu sind. Für Strauss liegt darin keine Fetischisierung des Originals, er pocht vielmehr auf die Einsicht, dass das ganze Bild eine besondere Konzentration - eben Fokussierung, erfordere. In der Betrachtung des Fotos ist Verstehen nur möglich, wenn die Fotografie selbst schon auf einer Erkenntnis beruht. Auf seinen ausgedehnten Reisen, zwischen Island und Nepal, nutzt Strauss digitale Technik, aber mit dem Ethos und einer Geduld aus dem Geist der analogen Fotografie.

Strauss legt Lebensspuren frei und folgt ihnen bis in die Vergangenheit. Seine Fotografie ermöglicht Perspektiven auf soziale Konstellationen; auf Räume, die belebt waren und Situationen, die beleben. Sie erfasst Figuren in einem Rahmen, der sie für uns lesbar macht.Sie zeigt Prägungen auf und untersucht deren positive und negative Abbilder. Bei Strauss berührt immer wieder die Würde und Schlichtheit der Dinge. Gelassenheit kennzeichnet den fotografischen Blick. Schwarz-weiß offenbart die Bescheidenheit und den Sinn fürs Praktische, Farbe tritt, wo vom Sujet gefordert, selbstbewusst auf.


Konzert zur Vernissage (ca. 16:30):
Clara Gervais, Kontrabass
Tilman Kanitz, Violoncello
vom Solistenensemble Kaleidoskopwww.kaleidoskopmusik.de/
Programm:
John Cage: „Etudes Boreales III“ für Violoncello solo (1978)
Iannis Xenakis: „Theraps“ für Kontrabass solo (1976)
John Cage: „Etudes Boreales IV“ für Violoncello solo (1978)









http://www.galerie1214.com