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ART COLOGNE – THOMAS ZIPP


Posted on April 22, 2016


ART COLOGNE – THOMAS ZIPP   |  News
ART COLOGNE - THOMAS ZIPP

Die Art Cologne hält die Stellung
Zum Jubiläum präsentiert sich die Traditionsmesse in Bestform. Fünf Jahrzehnte haben der Kunst-Macht am Rhein ihre Stärke nicht austreiben können.

FAZ 16.04.2016, von ROSE-MARIA GROPP

Es ist die fünfzigste Ausgabe jener Veranstaltung, die 1967 als „Kölner Kunstmarkt“ begonnen hat und die sich die älteste Kunstmesse überhaupt nennen darf. Und diese Art Cologne sieht wieder wirklich sehr gut aus. Die 2015 begonnene Einteilung der Halle 11 auf dem Deutzer Gelände – Ebene 1 die Klassische Moderne und die Nachkriegskunst, Ebene 2 die Gegenwart und Ebene 3 die aktuellste Produktion – ist beibehalten, und das funktioniert einmal mehr. Mit insgesamt 214 Galeristen und Händlern ist es ein relativ überschaubarer Parcours geblieben. Die Teilnehmer sind meist sinnvoll zueinander geordnet, manche der Stände gehen beinah nahtlos ineinander über.

Vor allem auf der Ebene 1 herrscht großzügige Gelöstheit. Dort präsentiert Raimund Thomas aus München, der Gewinner des diesjährigen ArtCologne-Preises, mit Eleganz eine Parade von Kleinformaten seiner Künstler aus fünf Jahrzehnten Galeriearbeit. Fröhlich blinken am Eingang in weißer Neonschrift vor schwarzem Grund die Wörter „alles“ und „nichts“ abwechselnd auf, eine lustige Arbeit von Hans Paul Isenrath aus dem Jahr 1997 (4300 Euro). Axel Vervoordt, sonst gern als opulenter Einrichter unterwegs, übt sich in Minimalismus (Raimund Girke!), während in anderer Dezenz am Stand von Salis aus Salzburg preisliche Hochkaräter glänzen, darunter Marc Chagalls „Soleil au cheval rouge“ von 1977 – mit angegebenen 5,5 Millionen Euro vielleicht das teuerste Werk der Messe. Übrigens erfreulich reduziert auf überzeugende Arbeiten ist diesmal das weite Feld der „Zero“-Kunst, das noch im Vorjahr schier uferlos die Messe bestimmte. So schnell kann es gehen mit den Markt-Moden; was sich indessen hält, ist die Qualität.

Einem in die Erde eingeschlagenen Meteoriten gleich
Die Traditionsfirma Bernheimer ist zum ersten Mal überhaupt auf der Art Cologne vertreten, sie präsentiert ihre Fotografie-Sparte mit Sitz in München und Luzern. Es gibt umwerfende Farbmotive des 1999 gestorbenen Super-Ästheten Horst P. Horst, hochgezogen in enorm dekorativen Inkjet-Prints auf satiniertem Papier, zertifiziert vom Nachlass (35 000 bis 45 000 Euro), außerdem ein 1966 im Haus von Cy Twombly entstandenes Portfolio (4 Sets à 8 Fotos; je 15 000 Dollar). Neben großformatigen Digitaldrucken von Vik Muniz zeigt Ben Brown aus London auch das witzige Multiple des Brasilianers, „Mnemonic Vehicle No. 2 (Jaguar)“ von 2015, das mit den Dimensionen solcher Auflagenobjekte spielt. Die Sparte Skulptur vertritt, einigermaßen symbolträchtig, bei Friese aus Berlin der offenbar wieder zu Form aufgelaufene Marktspötter Felix Droese mit seinem hölzernen „Sündenbock“, der auf zwei Bibeln steht (20 000 Euro). Ganz anders tritt die Plastik in Erscheinung bei Beck & Eggeling aus Düsseldorf: Dort dominiert die riesige „Aggregation 15-JL038“ des 1944 geborenen Koreaners Chun Kwang Young. Das raumgreifende Ding, ähnlich einem in die Erde eingeschlagenen Meteoriten, besteht aus scheinbar unzähligen Dreiecken, die ihrerseits aus beschriftetem Papier bestehen, jedes einzelne sorgfältig zum Päckchen verschnürt (um 700 000 Euro).

Chun liefert auch einen der Anschlüsse zur Ebene 11.2. Dort vertritt ihn die Pearl Lam Gallery aus Hongkong, die weltweit ihre Auftritte für die zeitgenössische chinesische Kunst hat, mit weiteren seiner „Aggregationen“; eine von ihnen, „Aggregation11-AP030“ in Blau und Rot von 2011, wurde schon während der Vernissage verkauft (160 000 Dollar). Einmal mehr ziemlich gut vertreten ist die Berliner Szene mit gut zwanzig Teilnehmern, von denen die Messe am Rhein doch sehr geschätzt wird. So lassen Contemporary Fine Arts – wo das inzwischen vielbestaunte Großfoto, das Jürgen Teller von der Rückansicht der Reality-TV-Größe Kim Kardashian gemacht hat, Blicke fängt – den vor zwei Jahren viel zu früh gestorbenen Maler Norbert Schwontkowski nochmals hochleben (von 14 000 bis 65 000 Euro). Und CFA-Galerist Bruno Brunnet verkündet eine interessante Neuigkeit, nämlich den bevorstehenden Umzug der Galerie aus dem Chipperfield-Bau am Kupfergraben nach Berlins Westen; da darf man gespannt sein auf die neuen Räume. Gewohnt cool zeigt sich die Galerie Neu aus Berlin-Mitte, hier sprechen auch die fünfzig Backsteine, gehüllt in die Umschläge von „MECW (Karl Marx Frederick Engels Collected Works)“ der Pariser Künstlergruppe Claire Fontaine, aufgestellt in einer Phalanx, buchstäblich Bände, ohne Worte (42 000 Euro). Auch sonst geht es zur politischen Sache: Bei Capitain Petzel, Berlin und New York, steht Andrea Bowers’ acht Meter langes, herrliches „Radical Feminist Pirate Ship“ von 2013 (für 85 000 Dollar gleich verkauft in eine deutsche Privatsammlung). Nebenan bei Hauser & Wirth leuchtet eine tolle Installation des leider schon 2006 gestorbenen Jason Rhoades; bereits verkauft sind zwei Exemplare von Richard Jacksons Neon-Arbeit „Ain’t Painting a Pain“ – was für eine Erkenntnis (je 75 000 Dollar). Die Galerie Perrotin aus Paris hat zu ihrer Art-Cologne-Premiere, neben dem Zugpferd Takashi Murakami, auch eine nackte liegende „Lisa“ von 2005 mitgebracht, eine der unglaublich lebensechten, polychromen Bronzen des amerikanischen Neu-Realisten John de Andrea (150 000 Dollar).

Papierarbeiten der hauseigenen Sammlung
Das größtformatige Bild der ganzen Messe hat Nächst St.Stephan aus Wien außen am Stand aufgehängt; Katharina Grosse hat dafür vier mal 7,6 Meter Leinwand mit ihren aufregenden Farbspur-Schichten bedeckt (300 000 Euro). Einen Wandfüller anderer Art liefert bei der Persano Galerie aus Turin Mario Merz ab unter dem Titel „Vento preistorico dalle montagne gelate“. Gemalt hat Merz das Werk schon 1985; die applizierten Kohlköpfe sind frisch (700 000 Euro). Die Münchner Galerie Jahn zeigt starke Ölbilder eher klassischer Machart vom Rumänen Ioan Grosu, Jahrgang 1985, der 2011 Meisterschüler bei Günther Förg war. Außerdem gibt es bei Jahn zauberhafte Blätter der Hauskünstler Michael Croissant und Karl Bohrmann (Preise 1300 bis 2000 Euro). Wie überhaupt in Zeichnungen und Papierarbeiten die Kerne liegen für Ideen, die sich dann auswachsen. Das zeigt auch die handliche hübsche Sonderschau der Deutschen Bank auf Ebene 11.3 mit Papierarbeiten der hauseigenen Sammlung: So viel Aufbruch, wie in den fünfzig, inzwischen historischen Formaten aus dem Jahr 1967 lauert, wünscht man sich für die Zeitgenossenschaft. Oben auf 11.3 lässt sich nach solchen Inspirationen suchen, bei den „New Contemporaries“ und den „Collaborations“. Da wäre zum Beispiel Thomas Zipp bei Guido Baudach aus Berlin mit seinen nach Petersburger Art gehängten Arbeiten voller Ironie. Oder es gibt die Zusammenarbeit voller Witz zwischen Slawomir Elsner und Knut Henrik Henriksen, die von den Galerien Sommer& Kohl aus Berlin und Lullin+Ferrari aus Zürich einander zugeführt wurden.

Unbedingt muss die Art Cologne den Standard halten, auf dem sie nun in Bestform operiert. Sonst verliert Deutschland seine einzig wichtige Messe für Moderne und Gegenwart. Jede Form von regionalen Grabenkämpfen ist deshalb strikt zu vermeiden.